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Himba im Kaokoveld

Juli 10th, 2012

Das einsame Kaokoveld (Kaokoland) im Nordwesten Namibias mit der Distrikthauptstadt Opuwo zählt zu den besonders unberührten Regionen Namibias. Die Himba, eines der wenigen noch existenten Naturvölker, leben als Halbnomaden im Kaokoveld in Clans von bis zu 50 Personen zusammen. Dieses Nomadenvolk zählt etwa noch 8.000 bis 12.000 Menschen und ist eines der letzten noch weitgehend ursprünglich lebenden in Afrika. Das wollten wir uns auch mal anschauen.

Das Opuwo Country Hotel bietet geführte Ausflüge zu einem authentischen Himba Dorf an. Dabei werden immer wieder andere Dörfer zum Besuch ausgewählt. Nach Ankunft beim Kral sollten wir zunächst beim Auto bleiben und warten, bis unser Guide vom Dorfältesten die Erlaubnis erhalten hatte, dass wir willkommen waren. Zur Begrüßung gab er uns noch „moro moro“ („hallo“) mit auf den Weg. Zunächst waren nur wenige Frauen anwesend. Sie kamen nach und nach von ihrer Feldarbeit zurück. Sie bestellen die Felder, bauen das Haus, kümmern sich um die Kinder und den Lebensunterhalt. Männer sahen wir außer dem Dorfältesten zunächst noch keine – sie verbringen die meiste Zeit mit den Rinderherden, ihrem wichtigsten Besitz.

Zu Beginn trauten wir uns noch nicht so recht zu fotografieren – die meisten Anwesenden waren ja „halbnackt“. Doch wir wurden dazu freundlich aufgefordert und bedankten uns recht herzlich dafür. Was wir dann erlebten bekommt man ja auch nicht alle Tage zu sehen.
Himbas legen aufgrund ihrer Tradition und Kultur großen Wert auf Haartracht und Schmuck. Besonders auffällig ist die rote fettige Paste, mit der sich die Frauen einreiben, die ihnen die charakteristische rote Hautfarbe verleiht, und vor dem heißen und trockenen Klima des Kaokovelds schützt.

Neben dieser charakteristischen Hautfärbung fallen auch die Frisuren extrem auf. Sobald die Mädchen in die Pubertät kommen, werden ihre Haare zu vielen kleinen Zöpfen geflochten (oftmals wird dabei künstliches Haar verwendet), mit einer Paste eingerieben und mit Leder und Perlen geschmückt. Über die Frisur ist der soziale Status erkennbar. Die traditionelle Kleidung der Himbafrauen besteht nur aus einem Lendenschurz. Dazu tragen sie sehr viel Schmuck, Halsketten, Arm- und Fußreifen, die sehr kunstvoll gefertigt sind. Am Fußschmuck kann man sehen, ob die Frau mehr als ein Kind hat.

Ungeschmückt wie wir waren wurden wir beinahe mitleidig als arm angesehen. Nur eine Frau und keine Kinder, das passte nicht so recht in das Weltbild der Himbas – haben dort doch die Männer mehrere Frauen und diese oft schon mit 13 Jahren ihr erstes Kind bekommen, weitere folgten.
Die Himbas leben meistens in Bienenkorb ähnlichen Hütten. Hier in diesem Kral sahen die Hütten allerdings etwas anders aus. Sie haben außen ein Dach aus Gras und innen aus Ästen. Für die Hütte selbst wird das Gerüst aus Ästen zusammen gebunden und dann außen mit einer Mischung aus Lehm und Viehdung verputzt. Wir wurden in eine Hütte eingeladen und erhielten dort einen interessanten Einblick in die Körperpflege der Himbas.

Die Himba Frauen dürfen sich ihr Leben lang nicht waschen. Dies führt wohl darauf zurück, dass die Himbas in einem der trockensten Gebiete der Welt leben, wo Wasser eine Kostbarkeit ist. Für uns war das unvorstellbar, aber die Frauen sind sehr sauber und riechen nicht unangenehm, eher für unsere Nasen etwas fremdartig. Zuerst zeigte uns die Himba Frau, wie sie die Paste anrührt. Die Himba Frauen reiben sich zwei Mal am Tag von Kopf bis Fuß intensiv mit der Mischung aus Butterfett, zu Pulver zermalten, eisenhaltigen roten Steinen und einigen aromatischen Kräutern ein. Die Himbas nutzen auch „Deostifte“. Dazu dienen die Zweige des „Parfümstrauches“, die einen ansprechenden intensiven Duft verströmen, wenn sie abgebrochen werden. Verbrennt man die Zweige, entsteht ein angenehm riechender Rauch.

Die Frau ließ sich eine Schale mit Glut geben, zerbrach den Zweig in kleine Stückchen und angenehm riechender Rauch stieg auf. Sie hielt sich nun diese Schale unter die Achselhöhlen und ließ den angenehmen Duft verströmen. Anschließend brachte ihr ein Junge eine größere Schale mit Glut, in die sie noch mehr Aststückchen hinein gab. Dann ging sie in die Hocke und setzte sich fast auf die Schale. So werden die Genitalien gereinigt – unglaublich! Auch Kleidung, Felle u.ä. werden darüber aufgehangen um dadurch parfümiert zu werden.

Als wir zurück kamen, hatten die Frauen ihre selbst angefertigten Gegenstände ausgebreitet. Sie saßen nur dahinter, lächelten uns an und warteten darauf, dass wir etwas kaufen. Wir taten ihnen den Gefallen. Hatten wir doch bei ihnen einen sehr freundlichen und interessanten Nachmittag erleben dürfen.
Als wir uns zum Aufbruch begaben wurden die Frauen noch gebeten, uns zum Abschied einen traditionellen Tanz vorzuführen. Er besteht darin, sich zum rhythmischen Klatschen und Rufen schnell zu drehen und zu springen.

Unser Guide übergab noch unsere mitgebrachten Geschenke (in erster Linie Lebensmittel und Wasser), wir verabschiedeten uns und traten die Rückreise an, im Gepäck Souvenirs und vor allem bleibende Erinnerungen an einen faszinierenden Tag unter freundlichen und sympathischen Menschen.

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Aurelius Augustinus.

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